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Geschichte von Schloss Berchtesgaden

Schloss Berchtesgaden entsteht aus dem 1102 gegründeten Augustiner Chorherrenstift. Der Legende nach legt Gräfin Irmgard von Sulzbach ein Gelübde zur Gründung des Stifts ab, als Dank für die Errettung ihres Gatten nach einem Jagdunfall. Die ersten Chorherren kommen aus Rottenbuch im Allgäu. Im Lauf der Jahrhunderte erweitern Pröpste und Chorherren den Gebäudekomplex („Propst‟ bezeichnet den Abt der Augustiner; das Wort kommt vom lateinischen „propositus‟, der Vorgesetzte).

Lebensgrundlage des Stiftes sind die Einnahmen aus dem Salzbergwerk. Auch das benachbarte Salzburg wirft öfter ein begehrliches Auge auf das Ländchen. Dank der Hilfe der bayerischen Herzöge in München kann es seine Selbständigkeit wahren.

Als Glücksfall aus heutiger Sicht erweist sich, dass nie genug Geld für einen Abriss vorhanden ist. So wird immer wieder im Stil der Zeit angebaut. Der romanische Kreuzgang wird um 1180 errichtet, ihm folgt um 1400 die zweischiffige gotische Halle. Auf der Südseite entstehen um 1500 zwei Renaissancesäle und im Jahr 1725 wird der barocke Südflügel angefügt.

Im 14. Jahrhundert erlangt das Augustiner Chorherrenstift die Reichsunmittelbarkeit, das Stift ist damit direkt dem Kaiser unterstellt. Der Propst wird Landesherr und das Stiftsgebäude seine Residenz. Im Jahr 1559 wird das Stift zur Fürstpropstei erhoben. Zu seinem Gebiet gehören fünf Dörfer: Berchtesgaden, Ramsau, Schönau, Bischofswiesen und Marktschellenberg.

Nach der Mediatisierung (der Begriff bezeichnet die Aufhebung eines geistlichen Staates) 1803 und dem damit verbundenen Ende der fürstpröpstlichen Herrschaft gehört das Land Berchtesgaden kurzzeitig verschiedenen Herrschaftsgebieten an, bis es 1810 zum Königreich Bayern kommt. Seit 1818 wird Schloss Berchtesgaden vom bayerischen Königshaus als Jagdschloss genutzt. Kronprinz Rupprecht von Bayern wählt es zu seinem Wohnsitz und lebt hier mit seiner Familie von 1922 bis 1933. Die reichhaltige Ausstattung des Schlosses mit Kunstwerken ist ihm zu verdanken. Noch heute nutzt der Chef des Hauses Wittelsbach, Herzog Franz von Bayern, das Schloss als Sommerresidenz.